Das Projekt

der  Steinzeitkinder
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Keramik
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Der Einbaum

 

Eine Schule macht Geschichte

Zum Jubiläum auf den Spuren vorgeschichtlicher Kulturen

 

Die 25-Jahrfeier der Volksschule Vohburg sollte nicht nach dem herkömmlichen Muster ablaufen. Etwas ganz Besonderes war gefragt!

Auf Initiative der beiden Lehrer Kurt Krüger und Eduard Albrecht wurde ein Projekt in Geschichte geplant, das mit einer Ausstellung sowie vielen Aktionen und Attraktionen ablaufen sollte.

Da sich beide Lehrkräfte schon seit längerem mit der Vor- und Frühgeschichte und deren Umsetzung in praktische Schularbeit befassen, lag das Thema „Was Kinder vor mehr als 5000 Jahren lernen mussten“ nahe. Außerdem zählt das heimatliche Donautal mit zu den bedeutendsten Fundstätten in Bayern. 

Mit der Ausstellung „Mammutjäger und bajuwarische Siedler im Donautal“ sollte  dies den Schülern bewusst und ihr Interesse  an Geschichte geweckt werden. Auch die Lehrerschaft wurde im frühherbstlichen Lehrerausflug mit einem Besuch des Archäologischen Museums in Kelheim und der alten Römerstadt Regensburg geschichtlich eingestimmt.

So war es kein Wunder, dass die Lehrerkonferenz das Projekt begeistert aufnahm. Nahezu alle Lehrkräfte erklärten sich zur Mitarbeit bereit und suchten sich einen Teilbereich aus dem großen "Angebot" heraus. Nicht alles, was in dieser Lehrerkonferenz vorgestellt wurde, fand einen "Abnehmer",  dafür kamen aber im Verlauf des Projekts einige Ergänzungen zur Abrundung des Themas hinzu.  
Aber - schon im Oktober stand das Grobgerüst der 25-Jahrfeier fest.


"Steinzeit-Models"

 

- Alles zieht mit -
Offene Türen rannten Rektor Norbert Haas und die beiden Initiatoren im Elternbeirat ein. Nun erwies sich die bereits geleistete Planungsarbeit als recht vorteilhaft. Ganz gezielt konnten noch fehlende Leistungen abgedeckt werden z.B. Transportdienste, Holzbeschaffung, Reh zum Zerlegen. 

Die Bewirtung an den Festtagen übernahm traditionell der Elternbeirat.
Schnell zeigte sich, dass Beziehungen alles sind. War ein Problem einmal angesprochen, so kannte irgend jemand bestimmt wieder jemand, der weiterhelfen konnte.

Überhaupt überraschte uns die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. Von Schulverdruss keine Spur! Überall stießen wir auf ein offenes Ohr. Schnell, unbürokratisch und vor allem kostenlos wurde bereitwillig geholfen. Waren es die Ausstellungsvitrinen der Nachbarstadt Neustadt/Do., Holz aus dem Rechtlerwald bei Menning oder dem Vohburger Stadtwald, Bretter aus dem Sägewerk, Ausstellungsgegenstände privater Sammler, zurechtgesägte Rinderknochen aus Metzgereien oder Garne aus einer Weberei. Die Aufzählung ist bei weitem nicht vollständig!

Mit dem Leiter des Amtes des Amtes für Denkmalpflege Ingolstadt, Dr. Rieder, trafen wir auf einen Mann, der uns die gesamte Vorbereitungszeit mit Rat und Tat begleitete.

Und wie reagierten die wichtigsten Teilnehmer, unsere Schüler, zum Projekt? Schließlich kam ja das Thema nicht aus ihrer Mitte, sondern wurde ihnen ja nur vorgesetzt! Würden sie das Projekt annehmen und motiviert mitarbeiten? Zurückschauend lässt sich nur bestätigen, was Rektor Haas zu Projektbeginn äußerte: "Gerade das praktische Lernen ist mir ein wichtiges pädagogisches Anliegen. Ich denke, vor allem auf diesem Weg können wir unsere Schüler begeistern und unser Anliegen zu ihrem machen."

 Das traf den Nagel auf den Kopf. Bereitwillig wurde Mehrarbeit geleistet, Nachmittagsschichten eingelegt und manche Schüler/innen werkelten sogar in den Osterferien, um die Fertigstellung des vorgeschichtlichen Häuschens mit Flechtumzäunung voranzutreiben.

- Den Bock zu Gärtner gemacht -
Wohl jede Schule klagt über schwierige Schüler. Natürlich hat sich auch die Volksschule Vohburg mit diesem Problem auseinanderzusetzen.

So wurde Eduard Albrecht zunächst eine gehörige Portion Skepsis bei seinem Vorschlag entgegengebracht, gerade diese Schüler in die Verantwortung zu nehmen.  "Wenn sie selber die Hütte und den Backofen bauen, sehen sie das als ihre Arbeit an und werden dies auch nicht zerstören!" Recht hatte er! Sicherlich gab es kleinere Schwierigkeiten, aber insgesamt zeigten diese Schüler meist erstaunliche praktische Fähigkeiten und ein Durchhaltevermögen, welches man ihnen vorher nicht zugetraut hätte. Und für manche überraschend: Gerade die brandanfällige Hütte mit ihrem Schilfdach steht noch immer! 


Alles in "Handarbeit": Nähen und Anprobe

- Fächergrenzen werden überschritten - 
Unbestritten lag der Schwerpunkt im Fach Geschichte. Als „Nebenkriegsschauplätze" bildeten sich nach und nach Werken, Kunsterziehung, Textilarbeit und Deutsch heraus. In Werken, aber auch in Kunsterziehung galt es, aus Ton Amulette, Opferschalen, Löffel, Kinderrasseln, Kulttiere und Töpfe herzustellen. Der Bau  eines Mammutmobiles, von Sitzbänken um den "Offenen Feldbrand", des Eingangshäuschens zur Ausstellung und vieles mehr standen auf dem Programm.

Kaum weniger zu tun gab es in Textilarbeit: ein 8 Meter langes Transparent (25 Jahre Volksschule Vohburg) wurde kurzfristig angefertigt, ein Webstuhl bespannt, mit Knochennadeln genäht und vor allem insgesamt zehn Modelle für eine "Modenschau" geschneidert.

Auch im Fach Deutsch gab es einiges zu tun. Einladungsschreiben mit Rückantwort mussten entworfen und viele Briefkuverts beschriftet werden. Eine Klasse trat z.B. mit ihrer Vorgangsbeschreibung zum Nachbau eines "Mammutjägerspeers" an die Öffentlichkeit. Müde belächelt wurde von einem Teil der Lehrerschaft die Absicht einer 4. Klasse, "Großkopferte" einzuladen. Mit netten Texten und liebevollen Zeichnungen versehene Einladungen schickte diese Klasse an die Adresse von Prominenten, z.B. Kultusminister, Ministerpräsident, Bundeskanzler und Bundespräsident. Selbstverständlich war von vornherein klar, dass höchstwahrscheinlich niemand  der Einladung folgen würde. Aber über die wirklich kindbezogenen und sorgfältig abgestimmten Antwortschreiben freuten sich die Viertklässler sehr.


Speer für wilde Mammutjäger

 

- Die "Renner" des Projekts -
Das waren eindeutig solche handwerklichen Tätigkeiten, die mit Anleitung sowie mit einigem Üben und mit Kniffen bald zum Erfolg führten. Dazu zählten vor allem die "Bärentatzen" (ca. 2 cm große Tonamulette aus dem urnenfelderzeitlichen Gräberfeld  bei Zuchering), Tonrasseln, -löffel, -kugelkette, -spinnwirtel, Schmuckketten aus Kalkstein und Schlehenkernen, Amulette aus Teichmuscheln und verschiedene Knochengerätschaften. 

Auch die "Kriegsbemalung" und die Herstellung von Hanfschnüren mittels selbstgetöpferter Spinnwirtel fanden bei den Schülern großen Anklang. Hier suchten wir ganz gezielt nach Fundgegenständen aus unserer näheren Umgebung, die sich mit Kindern verhältnismäßig einfach nacharbeiten ließen. Besonders interessant erwies sich der Blick auf das Original in der Vitrine und der Vergleich mit dem eigenen Nachbau.

Als größter Erfolg stellte sich die vorgeschichtliche Modenschau heraus, weil die Schülerinnen und Schüler in ihrer unbekümmerten und natürlichen Art die Herzen der Zuschauer im Sturm eroberten.

Kaum weniger Beachtung fand das Zerlegen eines Rehes mit vorher hergestellten Steinwerkzeugen durch Dr. Rieder.

 - Positive Zeichen -
Viel zu oft gibt es Negatives über unsere Schulen in der Presse zu lesen. Unsere täglich geleistete Arbeit wird dagegen kaum beachtet. Hier galt es, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass in unseren Schulen mehr als das Notwendige geleistet wird und unsere Schüler meist besser sind als sie dargestellt werden.
So traten wir immer wieder, beginnend mit der Ankündigung des Projekts über Berichte aus Teilbereichen, dem Ablauf der „tollen Tage“ und mit dem abschließenden Preisausschreiben, an die Öffentlichkeit.

Nicht nur bei den Schülern und den Eltern, auch in unserem Lehrkörper setzte das Projekt positive Zeichen. Man redete mehr miteinander, traf sich außerunterrichtlich zu bestimmten Aktionen, töpferte z.B. gemeinsam, erlebte gemeinschaftlich den Projektablauf und genoss das abschließende Rehragoutessen. 

- Das Jahr danach - 
Ein solches „Mammut-Projekt“, welches derartig viele Einzelprojekte in sich vereinigt, kann sicher nicht jedes Jahr durchgeführt werden. Aber wenn ein Jubiläum ansteht, erweist sich ein größeres Vorhaben allemal als empfehlenswert.
Auch im nachfolgenden Schuljahr wurde am Projekt weitergearbeitet. Das bisher gewonnene „Know-how“ sowie das Steinzeithaus auf dem Schulgelände  galt es zu erhalten und fertigzustellen.

So probierten sich Siebtklässler in der Herstellung von steinernen Armschutzplatten für Bogenschützen, Fünftklässler versuchten dem Bronzeguss auf die Spuren zu kommen. Auch unser Steinzeithaus konnte fertig eingedeckt und an allen Wänden mit Lehmputz versehen werden. Kleine Ausflugsfahrten in einem Einbaum auf dem Donaualtwasser sowie Getreideernte mit der Steinsichel rundeten die bisherigen Unternehmungen ab.

Als Höhepunkt  „im Jahr danach“ ist der historische Festzug zur 1100-Jahrfeier der Stadt Vohburg zu nennen. An diesem großen Ereignis beteiligte sich natürlich auch die Schule. Eine Gruppe mit über 20 Schülern in vorgeschichtlicher Trachtausstattung und einem eigens rekonstruierten jungsteinzeitlichen Ochsenkarren zogen an der Spitze des Zuges durch Tau­sende von Zuschauern und wussten diese zu begeistern.

(aus Schulreport 4/5, Dez. 1995)

*Unser Steinzeithaus musste im November 2001 der Planierraupe weichen, da das Gelände für Umbaumaßnahmen benötigt wurde. 

 

- Zusammenfassung -
Projekt „Eine Schule macht Geschichte“ u. Ausstellung „Mammutjäger u. bajuw. Siedler im Donautal“ zur 25-Jahrfeier der VS Vohburg mit folgenden fächerübergreifenden Aktivitäten:

Bau eines vorgeschichtl. Hauses in Pfostenbauweise mit Flechtwerk und Schilfeindeckung  sowie umlaufendem Flechtzaun; Töpfern von Gefäßen u. verschiedener Kleinkeramik; Keramikbrand im offenen Feuer; Schmuckherstellung aus Schlehenkernen, Kalkstein und Muscheln; Schleifen von Speerspitzen und Nadeln aus Knochen, Spinnen mit dem Wirtel; Mehl mahlen; Backofenbau und Brotbacken; Nähen von vorgeschichtlicher Tracht. 

Gestalten der Ausstellungstafeln mit Bildern und Texten; Einrichten der Vitrinen; Mammutmobile; Preisausschreiben.

Einladungsschreiben; Kuverts beschriften; Zeitungsberichte verfassen.

 

©Eduard Albrecht   Stand: 11.01.02